„Ich würde so gerne auf den Weihnachtsmarkt gehen“

 

Yasmine wohnt in einem Haus von der Ev. Stiftung Hephata, am Schellenberg in Mettmann. Die 36- jährige lebt dort mit fünf weiteren Frauen und zehn Männern in einer der 3 Wohngemeinschaften zusammen.

Mit Beginn der Pandemie hat sich auch das Leben der jungen Frau grundlegend verändert. Yasmine gehört mit einer Herzkrankheit zur Risikogruppe. „Die Gefahr, dass ich mich anstecke, ist zu groß.“ Daher machte sie, wie alle anderen Bewohner ab dem 16 März 2020, „Urlaub am Schellenberg“. So haben wir die Zeit des Lock down genannt. Viele unserer Bewohner haben kein richtiges Zeitempfinden und daher lässt sich die längere Zeit im Haus sehr gut als Urlaub beschreiben.

Soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert

Als die Virus-Gefahr immer näher rückte, haben wir schnell gehandelt. Die tägliche Arbeit in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen war nicht mehr möglich. Auch das 14- köpfige Mitarbeiterteam hat sich schnell auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. Wir haben unsere sozialen Kontakte möglichst geringgehalten, damit wir den Virus nicht ins Haus tragen.

Auch Yasmines Mutter (Marion Kremerius) unterstützte die schnelle Reaktion und ist sehr dankbar für die schnelle Reaktion des Teams. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass meine Tochter hier gut aufgehoben ist. Diese Krisensituation hat mich nur in meinem Empfinden bestätigt.“ Auch für die Angehörigen ist seit Ausbruch der Pandemie eine schwere Zeit angebrochen.

Hephata Newsletter 25.11.2020„Dass ich meine Mutter nicht fest in den Arm nehmen darf, das ist schon schwer“, verrät Yasmine und blickt dabei in mindestens ebenso traurige Augen ihrer Mutter. Obwohl wir vor dem Haus eine gemütliche „Besucher-Lounge“ (die durch Spenden aus Erkrather Veranstaltungen, des MS Fördervereins finanziert wurden) gebaut haben, fehlen die Umarmungen.

Hephata Newsletter 25.11.2020Dafür haben die Bewohner des Hauses einen Alternativtanz zur Begrüßung erfunden. Entstanden ist dieser aus Piktogrammen die wir im Hausflur hängen haben, welche Corona konformen Begrüßungen man anstatt Händeschütteln und Umarmung, verwenden kann. Die einzelnen Alternativen wurden aneinandergereiht und wurden zu einem Tanz.

Sehr dankbar sind wir für die Unterstützung in der ganzen Zeit. In den ersten Monaten, als die Werkstätten geschlossen waren, kamen uns Kollegen im Haus unterstützen und haben den Kunden eine Tagesstruktur geboten. Dieses ist von beiden Seiten sehr positiv aufgenommen worden. Mitarbeiter der Werkstatt konnten ihre Bewohner in ihrem Zuhause und auch etwas privater kennenlernen und die Mitarbeiter der Wohngruppe haben es als tolle Unterstützung und Zusammenarbeit empfunden und möchten sich dafür bedanken.

Hephata Newsletter 25.11.2020Zeit gab es im Lock down genügend. So wurde auch das heimische Hochbeet neu bepflanzt und gepflegt. Wir konnten leckere Tomaten, Salat und Erdbeeren ernten. Einmal kam der Eiswagen vors Eingangstor gefahren und alle durften sich 3 Kugeln Eis aussuchen. Ein riesen Highlight. Wir haben uns die Zeit im Sommer schöngemacht. Viel im Garten gesessen, gegrillt, gespielt, mal Cocktails gemacht. Von unseren Regionalleitern haben wir einen Pizza Gutschein bekommen, weil wir so super durchhalten. Über den haben sich alle gefreut.

Nun wird es draußen immer düsterer und der Winter steht ins Haus. Kein Besuch des Weihnachtsmarktes. Also müssen wir ihn uns ins Haus holen. Die Bewohner haben sich überlegt, was dazu alles wichtig ist. Wir machen Glühwein, heißen Kakao, backen Plätzchen und gebrannte Mandeln. Und am meisten freuen sich alle auf die Bye- bye Corona Party, mit Würstchen grillen und Corona-Bier :), wenn wir alles überstanden haben.

 

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