Arbeitsplätze für verschiedene Zielgruppen in den Hephata Werkstätten:

Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung

Die Aufgaben einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung sind gesetzlich geregelt. So heißt es in Kapitel 12 des Sozialgesetzbuches IX in Paragraf 136 unter anderem, dass die Werkstatt dem Menschen, der wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden kann, eine angemessene berufliche Bildung (...) anzubieten hat und die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu entwickeln oder wiederzugewinnen und dabei die Persönlichkeit weiterzuentwickeln hat. 

Auch Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen finden bei uns im Bereich "Montage Plus" einen Arbeitsplatz, der ihren besonderen Bedarfen entsprechend gestaltet wird. 

Auch älter werdende Menschen mit Behinderungen finden bei uns einen Arbeitsplatz, der ihren besonderen Bedarfen entsprechend gestaltet wird. 

Menschen mit späterworbenen Hirnschäden

Die Betriebsstätte Urftstraße in Mönchengladbach bietet Arbeitsplätze für den Personenkreis der Menschen mit späterworbenen Hirnschäden. Es werden berufliche Bildung und Arbeitsplätze für Menschen angeboten, die aufgrund eines Schlaganfalls, eines Unfalls oder anderen Gründen einen Hirnschaden erlitten haben. Im Gegensatz zu den meisten Beschäftigten in anderen Werkstätten haben die Mitarbeitenden hier eine Biographie mit Schulabschluss, Berufsausbildung oder Studium und Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie hatten einen Partner, übernahmen die Rolle des Elternteils und sicherten der Familie mit der eigenen Tätigkeit die Existenz. Das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, die häufig stattfindende Trennung vom Ehepartner und/oder der finanzielle Ruin sind leider häufig Folge des Schicksalsschlages. Fehlende Leistungsfähigkeit, veränderte Persönlichkeit und Überforderung der Verwandten führen oft zur Vereinsamung der betroffenen Person.

Das Konzept der Betriebsstätte Urftstraße in Mönchengladbach:

a) Sinnsuche: Für jeden Menschen ist es wichtig, etwas zu leisten, einen Grund zu haben, morgens aufzustehen. Nach dem einschneidenden Erlebnis ist es wesentlich, Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Dazu muss erst einmal eine Eigenmotivation entwickelt werden, die dabei hilft, Fähigkeiten neu zu  erlernen und die Belastbarkeit steigern zu wollen. Erlebte positive Handlungskompetenz hilft dabei, die eigene Behinderung zu akzeptieren.

b) Orientierung - Reizarmut: Die Betriebsstätte ist barrierefrei und so gestaltet, dass alle Räumlichkeiten leicht zu finden sind. Der Speisesaal hat viele Fenster, so dass er von der Produktion aus gesehen und gefunden werden kann. Zudem stehen den Mitarbeitenden Räumlichkeiten zur Verfügung, um ruhige Pausen und Rückzugsmöglichkeiten gewährleisten zu können.

c) Gestaltung des Arbeitsplatzes: Jeder Arbeitsplatz wird den Ansprüchen des Einzelnen entsprechend gestaltet. Dazu gibt es verschiede Anhaltspunkte zu beachten. Wichtig ist ein ruhiges, verlässliches Umfeld mit geringen Reizangeboten und wenig Ablenkungsmöglichkeiten. Den Mitarbeitenden werden regelmäßig kürzere Pausen zugestanden, da die Konzentrationsfähigkeit in der Regel eingeschränkt ist. Wir bieten regelmäßig wiederkehrende Tätigkeiten an, die Sicherheit und Gewohnheit bieten. Es gibt aber auch Abwechslung bei den Tätigkeiten, um die Konzentration und Aufmerksamkeit zu stärken. Wir achten darauf, dass die Tätigkeiten ohne Zeitdruck durchgeführt werden können.

d) Therapien, Hilfsmittel, Training: Die Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, einen Teil ihrer individuellen Therapien in der Werkstatt durchzuführen. Viele Mitarbeiter sind am Abend zu erschöpft, um dann noch Ergotherapie, Krankengymnastik oder Logopädie zu erledigen. Wir nutzen und entwickeln viele Hilfsmittel: Uhren, Wochenpläne und Kalender helfen, einen Überblick über die die Zeit zu bekommen. Vorrichtungen dienen dazu, Arbeiten selbständig durchzuführen, z.B. wenn aufgrund einer Lähmung nur ein Arm zur Verfügung steht. Symbole und Fotos unterstützen bei der Orientierung, helfen Sprache zu ergänzen und dem Gedächtnis Impulse zu geben. Das Training von sozialen Kompetenzen ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit. Viele Mitarbeitende haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich auszudrücken oder Bedürfnisse und Anliegen anderer zu erkennen und zu verstehen.

Die regelmäßige Beratung des Teams durch eine Neuropsychologin hilft bei der Bewertung und Einschätzung von Verhaltensweisen der Mitarbeitenden und bei der Entwicklung von individuellen Konzepten.

Hier geht es zur Beratungsstelle für Menschen mit späterworbenen Hirnschäden: Beratung MeH

 

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen

Je nach Form und Art ihrer Behinderung benötigen Menschen individuelle auf ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zugeschnittene Arbeitsplätze. Die Betriebsstätten Freiligrathstraße und Ottostraße in Mönchengladbach sind ganz speziell auf Personen mit psychischer Beeinträchtigung (Psychosen, Neurosen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen, unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung) ausgerichtet. Weiterhin werden Menschen mit Abhängigkeitsproblemen, Traumafolgestörungen und bipolaren Störungen am Arbeitsplatz begleitet. 

Zwischen dem Ausbruch der Erkrankung und der Aufnahme einer Arbeit in den Betriebsstätten sind meistens Jahre vergangen. Die Personen, die ihre Arbeit beginnen, verfügen über unterschiedlichste schulische und berufliche Werdegänge und auch über unterschiedliche Zeiten der Erwerbstätigkeit auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Durch diese individuellen Vorerfahrungen kommt es oftmals zu einer unrealistischen Selbsteinschätzung bezüglich der tatsächlichen Leistungsfähigkeit und so tritt manchmal auch das  Problem auf, sich mit einem Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung identifizieren zu können. Die berufsbezogene Qualifizierung steht zunächst nicht im Vordergrund unserer Reha-Maßnahmen, sondern die Förderung der sozialen Fähigkeiten, da die entscheidenden Beeinträchtigungen psychisch kranker Menschen im sozio-emotionalen Bereich und im Arbeitsverhalten und weniger in den berufsbezogenen fachlichen Fertigkeiten liegen. Die Störungen wirken sich vorrangig im sozialen Bereich, zum Beispiel durch Isolation und Rückzugstendenzen aus, sowie in der Arbeitsmotivation durch unregelmäßige Anwesenheit und stark schwankende Leistungsfähigkeit. Die Förderung der sozio-emotionalen Fähigkeiten ist also für den Rehabilitationsprozess entscheidend. Der praktische berufliche Aspekt hat aber auch eine hohe Bedeutung. So ist der Ansatz sozio-emotionalen Fähigkeiten in direktem Zusammenhang mit einem realistischen Arbeitsangebot zu entwickeln. Die genannten Betriebsstätten bieten entsprechend der Neigungen, Wünsche und Fertigkeiten der jeweiligen Personen verschiedenste Gewerke an:

Menschen mit handwerklichen Fähigkeiten engagieren sich in der Baugruppen- und Fahrradmontage. Menschen, die gerne am Rechner arbeiten, finden in der Datenarchivierung, im Lettershop oder bei der Retourenbearbeitung ihren Platz. Darüber hinaus kann man sich in der Hauswirtschaft, im Lagerbereich oder im Garten- und Landschaftsbau ausprobieren.

Derzeit beginnen die Hephata Werkstätten mit den Planungen für den Bau eines neuen Betriebsgebäudes, welches das bisher an der Ottostraße gelegene Werk – das nicht mehr den Anforderungen entspricht – ersetzen soll. In diesem Neubau werden 110 Arbeitsplätze entstehen. Somit können zukünftig 250  Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen Arbeitsplätze angeboten werden.

Die Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wird in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst der Stadt Mönchengladbach vorangetrieben, wenn die jeweiligen Mitarbeitenden es wünschen. Des Weiteren vermitteln wir betriebsintegrierte Arbeitsplätze in Unternehmen und Betriebe.