Studium durch Unterstützte Kommunikation

"Vor einem Altar habe ich noch nie einen Vortrag gehalten.“ Mit diesen Worten begrüßt die junge Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Lemler das Publikum - Mitarbeiter der Regionalkonferenz Euskirchen / Rhein-Sieg-Kreis von Hephata Wohnen. Lemlers Stimme kommt aus einem Sprachcomputer, den sie mit ihren Augen steuert. Aufgrund einer Infantilen Cerebralparese, die durch einen Sauerstoffmangel bei ihrer Geburt entstand, ist es ihr nicht möglich, eine Vielzahl von Muskeln kontrolliert zu bewegen. Daher ist sie nicht in der Lage auf herkömmliche Art und Weise zu sprechen. Lebhaft und mit viel Witz schildert sie anhand von Fotos und Anekdoten ihre Laufbahn von der Förderschule bis zur Universität. Dabei wird die zentrale Rolle der Unterstützten Kommunikation (UK) in ihrem Leben deutlich: „Ohne UK wäre ich im Bällchenbad gelandet - mit UK kann ich studieren.“

Aktuell macht Lemler ihren Master in Rehabilitationswissenschaften an der Uni Köln. Neben ihrem Studium engagiert sie sich als Projektleiterin, Dozentin, Autorin und Vorstandsmitglied von ISAAC-GSC (Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V., Deutschland) für Nichtsprechende Menschen. Sie ist Arbeitgeberin von sieben Assistenten: "Das sind keine Betreuer, die machen, was ich ihnen sage.“ Menschen, die Lemler schon lange kennen, können sie auch ohne Sprachcomputer gut verstehen. Zur Verständigung dient ihr eine (gedachte) Buchstabentafel. Mit den Kopfbewegungen (oben: links, mitte, rechts; unten: links, mitte, rechts) wählt sie zunächst den entsprechenden Buchstabenblock, dann die Buchstaben aus, die sie benötigt. Ihr Sprachcomputer verfügt über Kameras, die ihre Pupillen verfolgen. Fixiert sie einen Buchstaben oder eine Schaltfläche, so wird diese ausgelöst. Wahlweise mit Hilfe des Computers oder mit Unterstützung durch ihren Assistenten David Strenzler beantwortet sie die Fragen des interessierten Publikums.

Auf die Frage, ob das nicht total anstrengend sei so zu reden, erwidert sie eine Gegenfrage: „Ist es für dich anstrengend zu reden?“ Die in dieser Antwort spürbare Selbstverständlichkeit spiegelt sich auch in dem Hinweis wieder, den Frau Lemler den Hephata-Mitarbeitenden für den Umgang mit nicht sprechenden Kunden gibt: „Kommunikation ist Spiel. Sie macht Spaß. Kommuniziert einfach! Durch meine Vorträge gelingt es mir, das Thema Unterstütze Kommunikation in die Öffentlichkeit zu transportieren. Das sehe ich als meine Berufung an. Ich möchte, dass es mehr Menschen ohne Lautsprache inmitten unserer Gesellschaft gibt.“

 

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